Sich schützen: Kondome, PrEP, PEP & Co

 

Natürlich gelten die "klassischen" Safer Sex-Botschaften noch immer:

  • Analverkehr mit Kondom und fettfreiem Gleitgel.

  • Beim Oralverkehr raus, bevor's kommt.

  • Kein Blut oder Sperma auf Schleimhäute.

  • Beim Fisten Handschuhe und fettfreies Gleitgel verwenden.

Das Kondom schützt nicht nur vor einer HIV-Infektion, sondern reduziert als einzige Safer Sex-Strategie auch das Risiko, sich mit einer anderen sexuell übertragbaren Infektion anzustecken.

 

Aber es gibt heute noch andere Safer Sex-Strategien:

  • Kommt es doch mal zu einem Risiko, kann eine sofortige PEP (Postexpositionsprophylaxe) eine HIV-Infektion verhindern. Es handelt sich dabei um eine "Nach-Risiko-Vorsorge", bei der für vier Wochen HIV-Medikamente eingenommen werden müssen.

  • Auch die PrEP (Präexpositionsprophylaxe), also die vorsorgliche Einnahme von HIV-Medikamenten, kann eine sichere Möglichkeit sein, sich vor einer HIV-Infektion zu schützen.

  • Eine weitere Safer Sex-Strategie ist "Schutz durch Therapie": Wenn die Viruslast beim HIV-positiven (Sex-)Partner unter der sogenannten Nachweisgrenze ist, kann unter bestimmten Voraussetzungen HIV dann auch beim Sex ohne Kondom nicht mehr weiter gegeben werden.

Während die „Klassiker“ noch relativ einfach sind, gibt es bei Strategien wie die PrEP vieles zu beachten.

 

Wichtig ist es deshalb, Bescheid zu wissen!

 

Natürlich kannst du dich zu den einzelnen Themen von uns beraten lassen: telefonisch unter 0681 – 19 4 11, per eMail unter info@gudd-druff.de oder im persönlichen Gespräch.

 

Alternativ kannst du unter der Rufnummer 0180 33 19411 (9 Cent pro Minute bei Gesprächen aus dem deutschen Festnetz, maximal 42 Cent pro Minute aus den deutschen Mobilfunknetzen) das bundesweite Beratungsangebot der Aidshilfen nutzen: Montags bis freitags von 9:00 - 21:00 Uhr und samstags und sonntags von 12:00 Uhr - 14:00 Uhr .

 

Die kostenlose Online-Beratung der Aidshilfen erreichst du unter www.aidshilfe-beratung.de.

 

Im folgenden findest du ausführliche Informationen zu den einzelnen Strategien sowie interessante Links.

 

 

Die Safer Sex-Klassiker

Die Safer Sex-Klassiker

Analverkehr mit Kondom

Beim ungeschützten Analverkehr besteht für beide Partner ein Infektionsrisiko, auch für den Aktiven. Ein Infektionsrisiko für den passiven Partner besteht zudem selbst dann noch, wenn der Aktive nicht in ihm zum Samenerguss kommt. Kondome senken darüber hinaus auch das Risiko einer Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI).

 

Wirklich sicher ist ein Gummi nur, wenn Du ausreichend Gleitgel verwendest - natürlich wasserlöslich oder auf Silikonöl-Basis. Alle anderen Öle und Fette schädigen das Gummi.

 

Achte darauf, die richtige Kondomgröße zu verwenden. Viele Anbieter bieten inzischen auch Messhilfen an. Also: Schwanz vermessen, Kondom in der richtigen Größe aussuchen und viel Spass. Für die richtige Kondomgröße ist der Umfang übrigens entscheidender als die Länge.

 

 

Beim Oralverkehr raus, bevor's kommt.

 

 

Kein Blut oder Sperma auf Schleimhäute

Achte also darauf, dass Blut oder Sperma nicht in den Mund, ins Auge, in den Darm, auf die Eichel, die Vorhaut oder in die Harnröhre gelangt. Sie sollten übrigens auch nicht auf frisch rasierte Hautstellen kommen.

 

 

Beim Fisten Handschuhe und fettfreies Gleitgel verwenden.

 

 

Weitere Infos erhälst du auf den Seiten von "ICH WEISS WAS ICH TU" (IWWIT).

"Nach-Risiko-Vorsorge" PEP

"Nach-Risiko-Vorsorge" PEP

Im Falle eines HIV-Risikos gibt es die Möglichkeit der Postexpositionsprophylaxe, kurz: PEP. Es handelt sich um eine „Nach-Risiko-Vorsorge“, bei der für vier Wochen HIV-Medikamente eingenommen werden müssen. Informationen zur PEP findest du hier oder auf den Seiten von IWWIT.

 

Die PEP kann über die HIV-Schwerpunktpraxen zu den jeweiligen Öffnungszeiten verordnet werden.

 

Außerhalb deren Öffnungszeiten kann eine Verordnung im Saarland sichergestellt werden über die

 

  • Notfallambulanz des Klinikums Saarbrücken, Winterberg 1, 66123 Saarbrücken, Fon: 0681 - 963-0
  • Internistische Notaufnahme des Universitätsklinikums des Saarlandes, Kirrberger Straße, 66421 Homburg, Fon: 06841 - 16-30000

 

Wichtig: Mit einer PEP muss so schnell wie möglich nach dem HIV-Risiko begonnen werden. Am besten innerhalb von zwei Stunden, sonst möglichst innerhalb  24 Stunden, spätestens nach 48 Stunden. Ob eine PEP bis zu 72 Stunden (drei Tage) nach dem Risiko noch sinnvoll sein kann, ist umstritten.

PrEP: "Pillen davor" zum Schutz vor HIV

PrEP: "Pillen davor" zum Schutz vor HIV

Was ist die HIV-PrEP?

PrEP (für Prä-Expositions-Prophylaxe) bedeutet etwa „Vor-Risiko-Vorsorge“. Bei einer PrEP nehmen HIV-negative Menschen vorbeugend bestimmte HIV-Medikamente ein, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Die PrEP schützt aber nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten.

 

 

Wie funktioniert die PrEP?

Die zur PrEP verwendeten HIV-Medikamente Truvada oder wirkstoffgleiche, günstigere Nachahmerpräparate enthalten zwei Wirkstoffe, die HIV an der Vermehrung hindern. Kommt HIV beim Sex ohne Kondom in den Körper, bleibt man trotzdem HIV-negativ.

 

 

Hat die PrEP Nebenwirkungen?

Die meisten Menschen vertragen die Wirkstoffe gut. Manche klagen zeitweise über Übelkeit, Durchfall, Kopf-, Bauch- und Gelenkschmerzen sowie Müdigkeit oder Schlafstörungen. Bei dauerhafter Einnahme der PrEP-Tabletten kann allerdings die Leistungsfähigkeit der Niere sinken – die PrEP ist daher nichts für Leute mit Nierenproblemen. Die Nierenfunktion muss bei einer PrEP regelmäßig überprüft werden. Auch die Knochendichte kann durch die PrEP leicht sinken. Sie kehrt aber wie auch die Nierenfunktion in der Regel zu den Normalwerten zurück, wenn man die PrEP absetzt. Wechselwirkungen mit einer hormonellen Therapie bei trans* Männern sind nicht bekannt.

 

 

Wie sicher ist die PrEP?

Studien haben gezeigt: Wenn schwule Männer täglich eine PrEP-Tablette nehmen, sind sie zuverlässig vor HIV geschützt. Die Schutzwirkung kann eingeschränkt sein, wenn man die Tabletten unzuverlässig nimmt (eine oder zwei vergessene Einnahmen in der Woche sind aber nach derzeitigem Stand kein Drama) oder wenn die übertragenen HIV-Stämme schon gegen die Wirkstoffe in den PrEP-Tabletten resistent sind – das ist aber bisher sehr selten vorgekommen.

 

 

Wie lange muss ich die PrEP nehmen bis ich geschützt bin?

Die meisten Ärztinnen und Ärzte raten dazu, vier bis fünf Tage vor dem Sex je eine PrEP-Tablette zu nehmen. Wissenschaftlich ist diese Frage noch nicht völlig geklärt. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC zum Beispiel sagt, dass man als „Passiver“ (also für den aufnehmenden Analverkehr) nach sieben Tagen und als „Aktiver“ (für den einführenden Analverkehr) nach 20 Tagen den maximalen Schutz hat.Auf der anderen Seite steht das „Sexparty-PrEP-Schema“, bei dem man erst 24 bis spätestens zwei Stunden vor dem Sex mit zwei Tabletten auf einmal anfängt – das halten viele für sehr unsicher.

 

WICHTIG ist in jedem Fall, diese Frage ausführlich mit dem Arzt oder der Ärztin seines Vertrauens zu besprechen und dann eine Entscheidung zu treffen, die dem eigenen Sicherheitsbedürfnis entspricht.

 

 

Was muss ich bei der PrEP beachten?

Bei Schwierigkeiten mit der disziplinierten Tabletteneinnahme ist die PrEP keine geeiignete Methode.

 

Wichtig ist eine gute ärztliche Beratung und Begleitung:

  • Vor dem Start und anschließend alle drei Monate muss man einen HIV-Test machen: Wenn man schon HIV-infiziert ist oder sich trotz PrEP ansteckt (z. B., weil man die Medikamente nicht regelmäßig nimmt), reichen die PrEP-Tabletten nicht zur Behandlung der HIV-Infektion aus, und die Viren können unempfindlich gegen dieses wichtige Medikament werden.
  • Ebenso sollte vor Beginn einer PrEP ein Hepatitis-B-Test gemacht bzw. der Impfschutz überprüft werden.
  • Die Nierenfunktion muss regelmäßig untersucht werden, denn die PrEP-Wirkstoffe können die Nierenleistung leicht vermindern.
  • Nicht zuletzt gehört zur PrEP, sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten und Hepatitis C checken zu lassen.

HINWEIS: Die regelmäßigen Checks auf HIV, andere Geschlechtskrankheiten und Hepatitis C kannst du im Rahmen unseres Beratungs- und Testangebotes kostenfrei bei uns machen. Die nächsten Testtermine findest du hier.

 

 

Tägliche PrEP

Zuverlässig vor HIV schützt die tägliche Einnahme einer Tablette Truvada (oder wirkstoffgleiches Nachahmerpräparat). Empfohlen wird, die Tabletten immer zur selben Zeit (z. B. um 20 Uhr) und zusammen mit einem Snack einzunehmen. Wenn man mal eine oder zwei Tabletten in der Woche vergisst, ist das aber kein Drama.

 

Die meisten Ärztinnen und Ärzte gehen davon aus, dass ein zuverlässiger Schutz vor HIV nach 4 – 5 Tagen erreicht ist. Eine Variante ist die „Urlaubs-PrEP“: Hierbei fängt man 4 – 5 Tage vorher mit der täglichen PrEP an, macht den Urlaub über weiter und hört zwei Tage nach dem Urlaubsende damit auf (Einnahme immer im 24-Stunden-Abstand).

 

 

Sexparty-PrEP

Hierbei nimmt man die Tabletten nur einige Tage ein, zum Beispiel anlässlich einer Sexparty oder eines Dates. Für diese Form ist das Medikament in Deutschland aber nicht zugelassen. Man startet vor dem Sex (idealerweise 24, spätestens 2 Stunden vorher) mit zwei Tabletten auf einmal. Am Tag/den Tagen der Party macht man mit einer Tablette täglich weiter, an den beiden Tagen nach dem letzten Sex nimmt man ebenfalls täglich eine Tablette (immer im 24-Stunden-Abstand).

 

Zur Wirksamkeit der „Party-PrEP“ ist die Datenlage derzeit noch unsicher. Wer sie trotzdem machen und sein Risiko dabei so gering wie möglich halten will, kann wie bei einer „Urlaubs-PrEP“ 4 – 5 Tage vor der Party mit der täglichen Einnahme anfangen (s. o.) und dann wie dort beschrieben weitermachen. Auch bei der „Sexparty-PrEP“ ist eine ärztliche Begleitung notwendig (s. o.).

 

 

Ist die PrEP für mich geeignet?

Ob eine PrEP sinnvoll ist, musst du für dich selbst entscheiden. Manche Männer haben Probleme mit Kondomen beim Sex oder wollen beim passiven Analverkehr selbst die Kontrolle über ihren Schutz haben. Manche wollen die PrEP auch als zusätzliche Sicherheit. Wenn du bisher gut mit der konsequenten Verwendung von Kondomen klarkommst, solltest du dabei bleiben – schließlich bieten Gummis auch einen ziemlich guten Schutz vor anderen Geschlechtskrankheiten.

 

 

Wie komme ich an PrEP-Tabletten?

In Deutschland können Ärzt_innen die PrEP nur auf Privatrezept verschreiben. Das heißt:

Die Kosten muss man selbst tragen – bei täglicher Einnahme sind das mehr als 800 Euro pro Monat (Stand April 2017). Dazu kommen noch die ärztlichen Untersuchungen.

Die Bestellung günstigerer Nachahmerpräparate aus dem Ausland ist bei uns nicht erlaubt.

Einige PrEP-Nutzer lassen sich deshalb von Freunden in England z.B. indische Generika für rund 60 Euro pro Monatsration bestellen (das ist in England legal) oder kaufen im Urlaub (z.B. in Thailand) Tabletten. Drei Monatspackungen dürfen für den persönlichen Bedarf im Reisegepäck nach Deutschland mitgebracht werden.

 

Für die notwendige Begleitung einer solchen PrEP stehen einige Ärzt_innen zur Verfügung (Infos z.B. im Club PrEP-Info-DE auf PlanetRomeo).

 

 

Kann man auch mit anderen HIV-Medikamenten eine PrEP machen?

Derzeit ist Truvada das einzige HIV-Medikament weltweit, dessen Wirksamkeit für die PrEP nachgewiesen ist und das dafür zugelassen wurde. Wirksam sind auch Truvada-Nachahmerpräparate mit den gleichen Wirkstoffen. Von einer PrEP auf eigene Faust mit anderen HIV-Medikamenten raten wir dringend ab.

Weitere Infos findest du z. B. Unter www.iwwit.de/wissenscenter/prep oder (auf Englisch) unter www.prepster.info und www.iwantprepnow.co.uk.

 

 

(Diese Informationen entstammen der Broschüre "Pillen davor zum Schutz vor HIV" der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.: www.aidshilfe.de)

 

 

Infos zur PrEP erhälst du auch auf den Seiten  von "ICH WEISS WAS ICH TU" (IWWIT),

"Schutz durch Therapie"

"Schutz durch Therapie"

Auch die erfolgreiche HIV-Therapie eines HIV-Positiven ist Safer Sex: Wenn dauerhaft keine HI-Viren im Blut nachweisbar sind, ist eine Infektion sehr unwahrscheinlich. Dieser "Schutz durch Therapie" gilt als ebenso sicher wie ein Kondom. Während ein Kondom allerdings jeder selbst anwenden kann, ist bei Schutz durch Therapie Reden angesagt und es gehört Vertrauen dazu.

 

 

HIV-Medikamente unterdrücken die HIV-Vermehrung – im Blut, Sperma und in der Analschleimhaut sind dann so gut wie keine Viren mehr nachweisbar. Eine Ansteckung ist dann nicht möglich.

 

 

Entscheidend ist die regelmäßige Medikamenteneinnahme: Bei einer mehrtägigen Unterbrechung steigt in der Regel die Zahl der Viren im Blut schnell wieder an - etwas später dann auch in den Körperflüssigkeiten. In jedem Fall braucht es eine regelmäßige Kontrolle durch den Arzt.

 

 

Oft ist zu hören, die „Viruslastmethode“ funktioniere nur, wenn keine andere sexuell übertragbare Infektion vorläge. Davon sind Experten auch lange ausgegangen. Generell erhöhen sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis, Tripper oder Chlamydien das Risiko der HIV-Übertragung erheblich. Mittlerweile zeichnet sich in Studien aber immer mehr ab, dass dies angesichts einer gut wirksamen HIV-Therapie nur wenig Einfluss auf das Übertragungsrisiko hat. Das Restrisiko erhöht sich nur minimal.

 

 

Ausführlichere Infos erhälst du auf den Seiten der Deutschen Aids-Hilfe und bei "ICH WEISS WAS ICH TU" (IWWIT)